St. Hubertus Walchum 1923 e.V.
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EmblemDer Schützenverein Walchum

wurde im Jahre 1923 gegründet. Leider gibt es aus dieser Zeit keine schriftlichen Unterlagen, aber aus mündlicher Überlieferung sind uns die Gründungsväter des Vereins bekannt. Bernhard Terhorst, Gerhard Brümmer, Wilhelm Ehrens, Wilhelm Telgen, Heinrich Gruber, Hermann Lüken und Josef Kröger. Der Schützenverein war bis 1981 Mitglied im “Deutschen Schützengau”. Im Jahre 1992 wurde der Schützenverein im Amtsregister als e.V. eingetragen und heißt offiziell “Schützenverein St. Hubertus Walchum e.V.”. Im Jahre 1978 hatte der Verein 78 Mitglieder. Im Jubiläumsjahr 1998 gehörten dem Verein 285 Mitglieder an. Der Schützenverein feierte im Jahre 1998 sein 75-jähriges Bestehen mit einem großen Jubiläumsschützenfest. Anlässlich dieses Festes erstellte der Verein eine umfangreiche Festschrift.

Festplatz und Festzelt
Der erste Festplatz war am damaligen westlichen Dorfausgang hinter dem Hof Brümmer, dort wo heute Kunz wohnen. Anfangs gab es noch kein Zelt, es wurde lediglich ein kleiner Tanzboden auslegt und mit einer Grünumrandung abgegrenzt. Dieser Tanzboden war Eigentum des Vereins. Er wurde auch für private Zwecke, wie Hochzeiten usw. ausgeliehen. In der Zwischenzeit lagerte er im alten Spritzenhaus, dies stand in der Nähe des heutigen Festplatzes, wo sich jetzt das Kreuz befindet.
Hierzu ein Bericht in der Ems Zeitung vom 23. Juni 1936.
SchutzenhausSchützenfest Walchum. Am gestrigen Tag feierte auch unsere Gemeinde ihr diesjähriges Schützenfest. Bis zum Mittag regierte noch der vorjährige König, Bürgermeister Heinrich Gruber und am Nachmittag trat dann der inzwischen ermittelte neue König, der Bauer Bernhard Terhorst sein Amt für das neue Schützenjahr an. Im feierlichen Festzug wurde der neue König mit seinem Hofstaat am Nachmittag von seiner Wohnung abgeholt und zum Festplatz geleitet. Als Königin war Frau Gerdes erwählt worden. In feierlicher Weise übergab der vorjährige König seinem Amtsnachfolger die Königswürde, worauf dieser in einer längeren Ansprache dankte. Die Kapelle spielte alsbald zum Tanze auf und der Tanzboden, der sich unter freiem Himmel befand, war alsbald dicht umlagert. Ganz interessant sah es aus, als man während des Regens das Tanzen keineswegs aufgab, sondern ganz einfach die mitgebrachten Regenschirme aufspannte und dann weitertanzte. Am Schießstand übten die Schützen; die ersten 3 Sieger waren Zollassistent Eicholz, H. Rolfes und H. Thole. In bester Weise verlief das Fest, das bei allen in angenehmer Erinnerung bleiben wird.
Erst im Jahre 1939 hatte man dann das erste Zelt, es wurde von Dersum/Heede ausgeliehen und kostete 35 RM. Das tragende Gerüst des Zeltes war aus Holz gefertigt und die Stützen wurden in die Erde eingegraben. Die Tische und Bänke bestanden aus den Seitenbrettern der Ackerwagen, sie wurden auf in die Erde eingerammte AbbruchHolzpfähle aufgenagelt. Sie standen auf dem nackten Boden, denn nur die Tanzfläche bestand aus einem Holzfußboden. In den Kriegs- und Nachkriegsjahren von 1940 bis 1949 wurden keine Schützenfeste gefeiert. Das erste Fest nach dem Krieg war am 22. Juni 1950, es fand auf dem heutigen Schulhof statt und das Zelt wurde von Haarmann aus Melstrup für 140,-DM gemietet. Damals fanden die Schützenfeste an werktäglich wechselnden Wochentagen, jeweils an nur einem Tag, statt. Ab 1955 wurde es auf 2 Tage ausgeweitet und auf den Mittwoch und Donnerstag festgelegt. Dass es nicht an den Wochenenden gefeiert wurde, steht 1960 in der Schulchronik zu lesen: “Walchum hat den Brauch festgehalten, das Schützenfest nicht auf den Sonntag zu legen, damit nicht aus dem Familienfest ein Rummel wird”. Zwischenzeitlich hatten sich jedoch so große strukturelle Veränderungen in der Bevölkerung ergeben, dass diese Einstellung nicht mehr zeitgemäß war. So hat man dann 1966, nicht zuletzt auch aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus, das Schützenfest auf den Sonntag und Montag verlegt.

Der Festablauf früher und heute
Als das Schützenfest noch an einem Werktag war, begann der Festtag um 9 Uhr mit einer Schützenmesse in der Pfarrkirche zu Steinbild. Um 10 Uhr trat die Der Festablauf früher und heuteSchützenkompanie an und holte den König mit seinem Gefolge von zu Hause ab, mit anschließendem Umzug durchs Dorf. Danach wurde auf dem Schießstand der neue König ermittelt. Nachdem das Fest auf 2 Werktage, auf den Mittwoch und Donnerstag, erweitert wurde, verlief der Mittwoch in ähnlicher Weise wie zuvor. Am Donnerstag begann das Fest erst am Abend um 19 Uhr mit dem Aufhängen der Scheibe beim neuen König. Im Anschluss daran gab der König im Festzelt ein Fass Freibier aus. Mit Musik und Tanz wurde schon damals bis spät in die Nacht gefeiert. Begleitet wird der Festumzug heute von den Kindern des Kindergartens und der Grundschule, des Musikvereins Walchum, einer Gastkapelle, der Damenschieß-gruppe Walchum, der Schützenkompanie Walchum und den Gastkompanien aus Hasselbrock und Steinbild. Einige Neuerungen verdienen hier jedoch der besonderen Erwähnung: Seit 1984 wird das Schützenfest auf Videofilm aufgenommen. Seit 1994 wird von der Damenschießgruppe montags nach dem Festhochamt und dem Einmarsch ins Zelt ein Frühstück serviert. Seit 1996 findet die Schützenmesse in der Mehrzweckhalle in Walchum statt.
Schützenhalle und Schießstand
Der erste Schießstand war hinter dem damaligen Hof Brümmer, dem heutigen Haus Kunz. Geschossen wurde mit dem Luftgewehr von der Straßenseite her, und als Kugelfang diente ein Sandwall. In den 1930er Jahren war der Schießstand westlich vom Haus Giese und es wurde in Richtung Herzogwald geschossen. Zeitweilig hat man mit einem großkalibrigen Karabiner auf eine 1 m große Scheibe geschossen. Das Gewehr musste noch von Hand gestopft und geladen werden. Deshalb wurde es samt dem Besitzer, Kässens aus Sustrum, fürs Schützenfest ausgeliehen. Der neue Schießstand nach dem Kriege war in der Nähe des Festplatzes, westlich hinter der Schule. Er war den damaligen Verhältnissen entsprechend hergerichtet und mit Brettern und Strohballen gesichert. Geschossen wurde jetzt wieder mit dem Luftgewehr. Als man im Jahre 1960 den Festplatz an seinen heutigen Standort verlegte, wurde auch ein neuer Schießstand angelegt, mit einem kleinen Schützenhäuschen. Dieser Stand entsprach in soweit den Sicherheitsvorschriften, dass ab jetzt mit dem Kleinkaliber-Gewehr geschossen werden konnte. Schießgruppen: Die Herrenschießgruppe wurde 1973 gegründet, die Damenschießgruppe 1980 und die Jugendschießgruppe 1994.
Der “Wettkampf” um die Königswürde in vergangenen Tagen
Wie aus mündlichen Überlieferungen bekannt ist, soll sich die Ermittlung des Königs früher einmal folgendermaßen zugetragen haben: Die Anwärter schossen mit einem großkalibrigen Gewehr auf eine Holzscheibe. Im “Bunker” saß Heinrich Springfeld, er verschloss nach jedem Schuss das Loch in der Scheibe mit einem Holzdübel und markierte die Stirnseite mit weißer Farbe. Als es nun an der Zeit war, dass der König ermittelt werden musste, wurde er vom Vorstand beauftragt, bei einem vorher abgesprochenen Zeichen und dem darauf folgenden Schuss die “10″ anzuzeigen. Damit er diesem Wunsch auch “pflichtgemäß” nachkam, wurde er bei seinem verantwortungsvollen Amt von Heinrich Westhus mit ausreichend Bier versorgt. Ob so etwas bei den heutigen vollautomatischen Schießständen auch noch möglich wäre? Der Oberst und seine Adjutanten begleiteten den Festumzug bis 1972 hoch zu Ross. Weil aber auch das äußere Erscheinungsbild auf den Pferden den “militärischen Rängen” entsprechen musste, trugen sie als einzige im Festumzug Uniformen. Da bis 1953 die finanziellen Mittel nicht ausreichten, um eigene Uniformen zu haben, wurden diese von den in Walchum bediensteten Zollbeamten ausgeliehen. Auch der Vorstand hat sich schon früh – entsprechend seiner Funktion – in Grün gekleidet. Sie standen jedoch vor dem gleichen Problem wie ihre berittenen Kameraden. Sie lösten es mit grünen Arbeitskitteln, die vom Schneidermeister Speller geliefert wurden. Was früher undenkbar war, ist heute eine Selbstverständlichkeit, jeder Amtsinhaber und jeder Schützenbruder hat seine eigene Uniformjacke und Hut.